„Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“ (Heinrich Heine)

Im August 1992 in Rostock- Lichtenhagen gab es ein ‚Volksfest’ der ganz besonderen Art. Vom 22. bis 26.08. dauerten die pogromartigen Ausschreitungen. Vereint unter der Parole “Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“ griffen ortsansässige und aus dem gesamten Bundesgebiet angereiste Nazis die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (‚ZAst’) und ein benachbartes Wohnheim für vietnamesische Vertragsarbeiter an. Mehrere hundert Rechte warfen mit Steinen sämtliche Scheiben ein und setzten die unteren Etagen des Wohnheims mit Molotow- Cocktails in Brand. Ideologisch war man sich einig. Die Zugaberufe von schaulustigen Deutschen jeden Alters ließ die Masse zu einem widerwärtigen Konglomerat aus organisierten FaschistInnen und jubelndem Bürgermob verschmelzen. Zeitweise erreichte die Masse locker die Dreitausendergrenze. Auch durch die dürftigen Einschreitungen der Polizei wurde die Volksfeststimmung nicht getrübt. Der rassistische Mob hinderte die Feuerwehr am Löschen der Brände, zündete ein Polizeifahrzeug an, schlug die eingesetzten Wasserwerfer in die Flucht. Ein ganzer Stadtteil sah zu, wie RassistInnen versuchten das hauptsächlich von Flüchtlingen bewohnte ‚Sonnenblumenhaus’ niederzubrennen. Das Pogrom im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen ist wohl das schlimmste xenophobe Pogrom der deutschen Nachkriegsgeschichte. Diese Hatz kann nicht als ‚alltäglicher Einzelfall‘ oder ,Gewaltproblem‘ verbucht werden. Es war nicht eine Dorfjugend, die gegen „die Ausländer“ hetzte, sondern BewohnerInnen eines ganzen Stadtteils und weit darüber hinaus beteiligten sich kollektiv an diesem sechstägigen Feldzug gegen die „Nichtdeutschen“. Die politischen Reaktionen auf die Brandanschläge waren alles andere als begreiflich. Z.B. wurde 1993, u.a. um Anschläge wie diesen zu vermeiden, das Asylrecht faktisch abgeschafft. Die Drittstaatenregelung macht es für politische Flüchtlinge quasi unmöglich in Deutschland Asyl gewährt zu bekommen.

Der Film „The Truth lies in Rostock“ dokumentiert in einer Zusammenstellung aus Aufnahmen, die sowohl von innen als auch von außen gefilmt wurden die rassistischen Pogrome im August 1992 von Rostock- Lichtenhagen. Es werden Interviews mit unterschiedlich involvierten Personen gezeigt. Die Dokumentation entstand 1993 unter maßgeblicher Beteiligung der Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Angriffe in den attackierten Gebäuden befanden.